Einführung
„Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.“ 2. Petrusbrief 1,19

John Wycliff, der Reformator Englands, muss bereits als Jugendlicher ein besonderer Mensch gewesen sein. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Intelligenz wird es ihm ermöglicht, schon mit 16 Jahren am Merton College der Universität von Oxford zu studieren. Einer seiner Professoren ist Thomas Bradwardine, ein berühmter Mathematiker und Astronom, Philosoph und Theologe. Von diesem Gelehrten kann man mehr als nur Wissenschaften lernen, denn er beschäftigt sich auch mit der Bibel, dem Wort Gottes. Er lehrt die eifrig lauschenden Studenten die Errettung aus Gnade, nicht aus Werken. Umkehr zu Gott geschieht durch Vertrauen auf den liebenden Vater im Himmel. Bradwardines Ruhm verbreitet sich in den gelehrten Kreisen Europas. Zu seinen Füßen sitzt nun der junge Wycliff.
Bereits während des Studiums zeigt sich Wycliffs außerordentliches Talent, komplexe Dinge zu verstehen und weiterzugeben. Eine schnelle Auffassungsgabe, ein eifrig forschender Geist und ein gutes Gedächtnis schaffen die Voraussetzungen für sein künftiges Lebenswerk. Er dürstet nach Wissen, saugt es auf, speichert und systematisiert es. So kommt es, dass er schon bald selbst als Professor und Gelehrter der Universität Oxford bekannt und berühmt wird.
Im Alter von etwa 25 Jahren erlebt Wycliff hautnah die katastrophalen Auswirkungen der Pest von 1348/49, die etwa die Hälfte der Bevölkerung Englands hinwegrafft. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf sein junges Gemüt. Als er sich intensiv dem Bibelstudium zuwendet, nimmt sein Leben eine neue Richtung, die ihm unwahrscheinliche Schwierigkeiten bescheren und seine berufliche Karriere in höchstem Maße gefährden wird. Er wagt es, gegen die mächtigste Kirche seiner Zeit aufzustehen und zu sagen, was gesagt werden muss. Dabei riskiert er buchstäblich sein Leben.
